Konzertkritik 2016

von Peter Kreuzer am 12.07.2016 in der Passauer neuen Presse:

Eine große Anzahl von Musikfreunden aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus hat am vergangenen Sonntag das Konzert des Kammerorchester "Da Silva" mit Solisten aus der Region besucht. Das Rinchnacher Konzert hat seinen festen Platz im Konzertjahr der Katholischen Erwachsenenbildung.

Es hat zwar nichts mit der Musik zu tun, aber die angenehm kühle Luft, die dem Konzertbesucher beim Betreten der Kirche entgegenkam, sorgte schon einmal für ein äußerst angenehmes Klima an diesem sehr heißen Tag. Gleich nach der Passacaglia aus der im Original für ein Tasteninstrument geschriebenen g-moll-Suite von Georg Friedrich Händel folgte ein erster Höhepunkt des Abends: das Konzert für Violine und Streicher A-Dur von Johann Michael Haydn mit dem erst fünzehnjährigen Solisten Simon Pernpeintner aus Schönberg. Der Instrumentalist gestaltete das relativ selten zu hörende, aber deshalb nicht weniger anspruchsvolle Werk sehr überzeugend: die filigrane Melodik besonders im ersten Satz kam gut zur Geltung; beeindruckend und spannungsgeladen die raumfüllende Solokadenz. Schön, dass "Da Silva" immer wieder Solisten aus der Region Gelegenheiten bietet, zusammen mit einem Orchester aufzutreten.



Es folgten drei diszipliniert gespielte Stücke aus der Sammlung "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn-Bartholdy (im Original Klavierstücke) in einer Bearbeitung für Streichorchester. Erstaunlich der Klangreichtum, der in den oft gehörten Klavier-Interpretationen so nicht zu Tage tritt.

"Heideklänge" – so war das nächste Stück überschrieben. Es machte seinem Namen alle Ehre und löste beim Zuhörer ein bilderreiches Kopfkino aus. Wieder einmal eine Uraufführung eines Stückes aus der Feder des in Rinchnach lebenden Komponisten Georg Mehling, der im Publikum vertreten war.

Es folgte ein weiteres Stück des Rinchnacher Komponisten: das Konzertstück für Cello und Orchester mit der regional bestens bekannten Solistin Ruth Gallenkamp. Eine völlig andere Klangwelt: viele parallele Fortschreitungen, sich flott schlängelnde Melodien im schnellen Wechsel zwischen Orchester und Soloinstrument prägten das Stück. Scheinbar mühelos erreichte die Solistin große Klangtiefe und klaren Audruck. Beide Stücke von Mehling hätten es verdient, nicht nur in Rinchnach, sondern auch in mondänerem Umfeld gespielt bzw. gehört zu werden.

Nordisch herb gerieten die "Variationen über eine norwegische Volksmelodie" von Johan Svendsen, die ebenfalls nicht zum Standardrepertoire deutscher Orchester gehören und dementsprechend selten zu hören sind. Sehr gefällig dagegen die nachfolgenden klassischen Sinfonien von Georg Matthias Monn und Friedrich dem Großen. Das Konzert endete mit dem ruhigen, fast nachdenklich gespielten "Impromtu für Streichorchester" von Jean Sibelius.

Das Publikum honorierte die Leistung von Orchester und Solisten mit großem Applaus, dem schließlich noch eine flotte Zugabe folgte. Selbst fleißige Besucher von Orchesterkonzerten konnten an diesem gelungenen Konzertabend viel Neues kennenlernen.